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Munch, Eduard: Der Schrei

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Das Bild “Der Schrei” von Edvard Munch zeigt im Vordergrund eine schreiende
Person, die auf einer Brücke steht. Dieser schmale, junge Mensch hat ein vor
Furcht verzerrtes, grünwei-ßes Gesicht, einen weit geöffneten Mund und
schreckstarre Augen. Seine Hände sind ver-krampft an das Gesicht gepresst.
Der Kopf der Person sieht aus wie ein Totenkopf und besitzt weder Haare noch
Augenbrauen. In den vor Entsetzen geweiteten Augen des Schreienden spiegelt
sich Angst wider.

Der Hintergrund besteht aus dem Meer, dem Himmel, aus Schiffen, einer Insel,
der Brücke und zwei Personen, die sich auf jener bewegen. Diese beide
vornehm gekleideten Männer gehen starr in die andere Richtung. Sie nehmen
eine aufrechte, gerade und stramme Körper-haltung und tragen – vermutlich
als Zeichen ihrer vornehmen Abstammung – Hüte, die sie über die schreiende
Person stellt. Die beiden bilden eine Einheit mit der langen, geraden
Brücke. Der Schreiende fügt sich im Gegensatz mit dem Rest des Bildes zu
einem Ganzen zusammen. Der Himmel, das Meer, die Insel und die Person im
Vordergrund sind stromlini-enförmig gemalt. Die Schallwellen des Schreies
breiten sich aus, ergreifen Besitz von der Umgebung und könnten sie somit in
den stromlinienförmigen Zustand versetzen. Der ent-setzte Schreiende bildet
einen Gegensatz zur unberührten Umgebung.

Der Künstler verwendete für den Himmel, die Insel und die Brücken die Farben
rot und gelb, sie könnten für das Feuer stehen, welches Vernichtung und Tod
mit sich bringt. Teile des Himmels und das Meer wurden blau gemalt. Edvard
Munch wählte eine intensive Farbge-staltung und einen groben, kräftigen
Pinselstrich. Er geht nicht ins Detail, sondern will nur grob etwas zum
Ausdruck bringen und seine Zeit nicht mit dem Zeichnen feiner Linien
ver-schwenden. Das Hauptanliegen und der Hauptgrund für das Gemälde ist die
Intention Munch´s den “Schrei” darzustellen.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts schritt die Industrialisierung immer weiter
fort, der Erste Weltkrieg stand unvermeidlich bevor und ein großer Umbruch
kündigte sich durch den Sturz der Monarchie an. In dieser Zeit zählte die
Menschheit als Masse und nicht jeder einzelne als Individuum. Edvard Munch
stellte den individualitätslosen Schreienden in den Vordergrund seines
Bildes, schaffte es aber dennoch nicht, der Masse ein Gesicht zu geben. Auf
alle Fälle wird das Kollektiv in den Vordergrund und über die Herrscher
gestellt. Trotzdem besitzt die schreiende Person keine Gesichtszüge oder
Haare, also keine Merkmale, die ihn von anderen unterscheiden. Sein Schädel
gleicht dem eines Skeletts und steht somit für das Knochenge-rüst, das bei
jedem Menschen gleich aufgebaut ist. Er könnte für die gesamte Bevölkerung
stehen, die mit einem Schrei des Entsetzens auf die gesellschaftlichen und
politischen Ent-wicklungen am Beginn des 20. Jahrhunderts reagiert.

Als Ursache für den Schrei lassen sich viele verschiedene Szenarien
entwickeln. Die Brücke könnte vor der Person eingestürzt sein oder ein
anderes Unglück hat sich vollzogen. Jemand könnte ins Wasser gefallen oder
gesprungen sein. Vielleicht hat der Schreiende gerade eine schreckliche
Nachricht von den beiden noblen Herren erhalten, die diesen Schrei auslöste.
Möglicherweise ist der Schrei Vorbote eines drohenden Unheils oder einer
Katastrophe durch die alle Beteiligten zu Grunde gehen werden. Auf jeden
Fall steht der Schrei aber für die see-lische Not des verzweifelten
Menschens.
  
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